Samstag, 9. April 2011

Hockenheim — Für alle, die hocken daheim

Hockenheim Exklusiv mit Stand 14:11 Uhr


Und hier noch für unsere sehgeschädigten Freunde die Audiofassung
Donnerstag
Wenn man Rennen fahren will, dann ist das immer nur Spaß und Frohsinn und es wächst einem ein Zuckerwattebaum aus dem Arsch. Falsch! Wenn man Rennen fahren will, dann ist das Aufstehen um 5 Uhr morgens, den Trailer anhängen, das nötigste für die nächsten vier Tage einpacken. Bier, Brause, Bratwurst. Die drei großen B`s, gleich nach Benzin, Bleiadditiv und wieder Bier. Dann losfahren  die Deutschlandkarte runter. In Köln dann den Escort huckepack nehmen, der nun auf einer neugelagerten Hinterachse butterweich auf den Trailer rollt. Weiter zum Hockenheimring, rein nach Baden-Württemberg. Geparkt wird das Gespann nicht etwa in der Boxengasse, wie der Formel-guckende Laie vermuten könnte, sondern auf dem öffentlichen Parkplatz weit vor den Einlasstoren des Rings. Kleine Teams,  die aus Freude am Sport Rennen fahren, haben so gut wie keine Privilegien an den Rennstrecken. Wenigstens stehen ihnen die Toiletten in der Boxengasse offen. Das ist doch schließlich auch was. Nachdem der Ford vom Trailer gefahren wurde, geht es sofort zur technische Abnahme des Fahrzeugs. Wie erwartet hatten die Prüfer nichts zu beanstanden und alles ging glatt über die Bühne. Fast. Eigentlich war geplant, am Donnerstag Abend noch für ein freies Training auf die Strecke zu  gehen. Aber die drohende Dunkelheit, die ein Abend so mit sich bringt, ließen einen Start nicht mehr zu. Ein Ducato mit einem Trailer dahinter und einem Escort auf den Schultern, ist nun mal kein Falcon mit amtlichem Blower auf dem gusseisernen V8-Block. Aber wahrscheinlich hätte ein früheres Eintreffen am Ring auch nichts geändert, da scheinbar eh nur irgendwelche kurzpimmligen 911er Fahrer auf die Strecke durften. Kein anderes Modell war auszumachen. Nur Porsche, Porsche, Porsche. Langweilig.  Christian war natürlich enttäuscht zumal der kommende Freitag ein komplett rennfreier Tag für ihn werden sollte. So blieb für diesen Abend nur das, was im Rennsport ebenso wichtig ist, wie das Rennen fahren selbst: Kontakte knüpfen.  Vorher musste allerdings noch der Trailer auf dem Parkplatz gesichert werden. Also raus aus der Boxengasse und die gefühlten zwei Kilometer bis zum Trailer latschen. Kacke. Nur gut, dass am Ring die Kameradschaft noch etwas zählt. Kaum hatte Christian den Anfang des Parkplatzes erreicht, wurde er von einem Parkplatzwächter aufgehalten: "Wohin des Weges, junger Mann?"
 "Zu meinem Trailer, der irgendwo da ganz hinten steht."
 "Warum wertvolle Kalorien durch Laufen verschwenden? Hier, nimm meinen Roller!"
 "Echt?"
 "Klar! Du weißt doch wie das geht, oder?"
 "Draufsetzen, Gas geben und glücklich sien?"
"Richtig!"
 So unkompliziert kann es manchmal sein. Das Strassenverkehrsamt sollte sich ein Beispiel daran nehmen.

Freitag
Es besteht Hoffnung. Heute kann man sich als Ringtaxi anmelden, wenn man zwei Sitze in den Boliden geschraubt hat. Hata! Also hin zur Rennleitung, Startgebühr zahlen und warten, bis irgendein Jaffel bock hat, sich um den Ring kutschieren zu lassen. Ist nicht optimal aber wenigstens bekam Christian dadurch die Möglichkeit die Strecke kennenzulernen. Eine Playstation und OnBoard-Videos bei YouTube ersetzen keine selbstgefahrene Streckeneinführung. Das HKF-Team ist durch die jahrelange Erfahrung von Hans natürlich klar im Vorteil. Bevor sich also irgendein fremder Wicht im Recaro-Schalensitz einnässt, während Christian die Sabine Schmitz des Hockenheimrings spielt, wird kurzerhand Hans Freund Andreas als Beifahrer auserkoren. Andreas kennt die Strecke und kann Christian die Einlenk- und Bremspunkte zeigen. Das Team entschließt sich erst Andreas mit Kocher als Beifahrer auf die Strecke zu schicken und nach ein paar Runden dann einen Fahrerwechsel durchzuführen. Guter Plan soweit nur dann passierte das, was nicht passieren sollte: Der Escort verweigerte seinen Dienst. Egal, mit welcher Vehemenz das Team auch versuchte ihn anzulassen, er wollte einfach nicht anspringen. Wenn man dann orgelt und pumpt läuft es immer aufs selbe hinaus: Abgesoffen.  Nachdem die Batterie endgültig das zeitliche gesegnet hatte, wurde mittels eines Powerpacks, wie sie zum Beispiel der ADAC benutzt, Starthilfe gegeben und endlich sprang der Deubel an. Da waren allerdings schon 10 von 30 Testminuten  dahin. Egal, jetzt geht es zum ersten Mal hinaus auf den Hockenheimring. Die Fahrschulfahrt läuft wunderbar allerdings ist der Verkehr auf der Strecke so dicht, dass man höllisch aufpassen muss, um nicht irgendwem die Tür vor der Nase zuzuhauen oder das Heck einzudrücken. Verdammte 911er. Die Erkundungsfahrt wird also mit ziemlicher Vorsicht durchgeführt, was dem Spaß aber keinen Abbruch tut. Nach sieben Runden beendet die schwarz/weiß-karierte Flagge den Lauf und es geht zurück in die Boxengasse. Es ist auch höchste Eisenbahn für die Box und einen genauen Blick aufs Auto. Die Benzinpumpe macht Probleme. Nichts, was sich nicht beheben lässt. Nach gründlicher Reinigung durch Hans, ist für Samstag auf der technischen Seite nun alles bereit.

Samstag
Erstes Zeittraining um 09:50 Uhr. Jetzt wird es ernst. Hans geht für die ersten fünf Runden auf die Strecke. Christian bleibt an der Boxenmauer zurück. In Runde vier dann das Zeichen von Hans: Blinker rechts auf der Start/Ziel-Geraden. Kocher muss sich bereit machen. In der nächsten Runde ist Fahrerwechsel. Hans kommt rein. Christian springst in den Sitz. Gurten, Spiegel, Abfahrt. Auf der Strecke läuft es bei besten Bedingungen wie am Schnürchen. Kocher fährt einen spitzen Strich und kommt gut durch den Verkehr. Safer Sex mitm Escort, jawohl.  Seine fünf Runden sind im nu vorbei und für das morgige Rennen gibt es eigentlich keinerlei Bedenken. Wunderbar. Nach dem Zeittraining Manöverkritik von Hans: Christian bremst noch zu viel. Alles muss noch etwas flüssiger werden. Der fließende Stil eben. Auftragen - Polieren. Hai Miyagi-San. Sonst ist Hans mit seinem Lehrling bestens zufrieden. Wenn wunderts. Für das zweite Zeittraining heute Abend haben die beiden neue Reifen auf die Vorderachse gezogen und hinten,   gute Gebrauchte. Diese Mischung sollte nochmal alles ein wenig erleichtern. Im Zuge der Reifenaktion wurde auch noch eine vergrämte Radmutter am rechten Hinterreifen ausgetauscht. Nun ist der Escort fit. Genua wie Hans und Christian. Wer sollte sie stoppen?
Samstag
Zweites Zeittraining 
Mit neuen Reifen HINTEN und angefahrenen VORNE soll es um den Kurs gehen. Diesmal fährt Christian allein. Nicht nur allein im Auto, sondern auch ohne Fahrerwechsel. Es geht raus auf die Strecke. Aus der Boxenausfahrt direkt aufs Gas. Der Wagen brüllt. Dann die erste Spitzkehre und plötzlich wird aus dem heiser beständigen Brüllen nur noch ein vereinzeltes Brummen. Dann wieder Brüllen, Brummen, Brüllen. Kurzum: Das Scheißding stottert. Auf der Geraden zieht der Wagen mit aller Macht nach vorne, im Kurveneingang haben die neuen Pellen ordentlich Gripp und einer guten Rundenzeit sollte eigentlich nichts im Weg stehen. Doch sobald sich der Wagen im Scheitelpunkt der Kurve  den Fliehkräften unterwirft, geht unvermittelt die Leistung flöten. Christian bleibt nichts anderes übrig als an die Box zu fahren und Hans mit den technischen Schwierigkeiten zu konfrontieren. Der wiegelt aber nur lachend ab und sagt, dass das absolut normal sein und Kocher einfach weiter Gas geben soll. Gesagt getan. Wieder raus auf die Strecke und den Wünschen des Teamchefs entsprochen. Vollgas. Bis zur nächsten Kehre, wo die Stotterei wieder anfingt und Christian den Strich verhagelte. Verdammt. Wenn der Wagen lief, lief er absolut ausgezeichnet aber die verfluchte Stotterei nervte irgendwann so sehr, das Kocher rechts ranfahren musste, um einen Streckenposten mit seinen Problemen  zu belästigen. Leider war der kein Logopäde und so musste das Zeittraining nach nur fünf Runden für das HKF-Team beendet werden. Ihr habt es euch sicherlich schon gedacht: Es war einfach schändlich wenig Sprit im Tank. Gut fürs Gewicht schlecht für die Performance. Was Hans da also für völlig Normal befunden hat, entpuppte sich als logistische Fehleinschätzen des Benzinverbrauchs - oder anders gesagt: Willi hat verpennt Maja den süßen süßen Zünd-Nektar zu bringen. Aber bis auf dieses kleine Problem fand Christian den Lauf ausgezeichnet, so wie eigentlich alles an diesem Wochenende. Eine wahre Frohnatur, wenn er nur hinterm Lenkrad sitzen kann. Da im zweiten Lauf aus oben genanntem Grund keine passable Zeit erreicht werden konnte, zählt für das morgige Rennen die Zeit aus dem ersten Lauf 02:23 Minuten. Klingt nach viel Zeit, doch Zeit ist eigentlich flüchtig solange man nur vor seinem Hauptkonkurrenten liegt. Tja: Ziel erreicht, ihr Pussys! Morgen um 14:55 Uhr wird das 3-Stunden-Rennen gestartet und da nun schon alle möglichen technischen Widrigkeiten überwunden worden sind, stehen die Vorzeichen wohl bestens! Also Freunde, hoffen wir das Beste!
[ab]






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